Schweller beim Oldtimer wechseln

Schweller Wechseln beim Oldtimer

…am Beispiel eines Audi Typ 81.

Der Schweller am Fahrzeug hat die wichtige Aufgabe das Fahrzeug zu stabilisieren und dennoch ist es das „anfälligste“ Bauteil am Auto. Warum? – Weil der Schweller in einer Linie mit den Rädern verbaut und somit sämtlichen Dreck und Schmutz ausgesetzt ist, der von den Rädern aufgewirbelt wird.

Der Dreck und Schmutz wirkt dabei wie beim „Sandstrahlen“, schwächt den Unterbodenschutz und kriecht dabei bis in die kleinste Ritze. Im Winter kommt das Salz dazu, wo es in aller Ruhe eine chemische Reaktion hervorruft – Korrosion – oder besser bekannt als Rost.

Nach vielen Jahre der Nutzung und je nachdem wie gut ein Hersteller Korrosionsschutz mittels Unterbodenschutz und Hohlraumversiegelung vorgenommen hatte, kann Rost vor sich hin arbeiten und das Karosserieblech am und im Schweller zersetzen.

Da reicht ein kleiner Steinschlag und nach einiger Zeit zeigen sich sogenannte Rostbläschen erst, wenn es zu spät ist. Hier ein Beispiel eines Schwellers beim VW T4. Erst war es eine kleine Rostblase, die bei genauerer Betrachtung zum Rostloch wurde Loch. 

Natürlich lässt sich solch ein Schaden reparieren, auch wenn es nicht danach ausschaut. Mit Reparaturblechen kann der Schweller wieder hergestellt werden.

Bei der Audi Typ 81 war es kein Rost an den Schwellern. Sondern, nach dem Entfernen des Unterbodenschutzes, zeigte sich eine laienhafte Reparatur. Erst überlegte ich, nur die Stelle zu reparieren, doch entschied ich mich den kompletten Außenschweller zu wechseln und das ohne Ahnung vom Karosseriebau noch vom Schweißen zu haben.

So suchte ich nach neuen Schweller – Einschweißblechen für die viertürige Audi Typ 81 Limousine. Das war gar nicht so einfach, denn die Ersatzteilversorgung an Reparaturblechen für den Audi Typ 81 ließ etwas zu wünschen übrig. Nach einer Weile fand ich dann endlich die passenden Einschweißbleche.

Benötigtes Werkzeug

Bevor es losgehen konnte, brauchte ich natürlich etwas Werkzeug. Also recherchierte ich, was man alles für den Karosseriebau braucht.

Für den Wechsel der Schweller wurden folgende Werkzeuge benötigt:

Zeitbedarf - so lange hat es gedauert

Für das Wechseln der Schweller kann man pro Seite gut einen Tag, ca. 8 Std. einrechnen, je nachdem wie schnell man ist und wie man mit Werkzeug ausgestattet ist. Es empfiehlt sich auch einen zweiten Mann/Frau, als Helfer dazuzunehmen, da gerade bei den Anpassungsarbeiten als Anfänger mehr als zwei Hände gebraucht werden.

1. Schritt: Öffnen/Entfernen des alten Schwellerblechs

Mit der Flex und Trennscheiben wird der alte Schweller grob in der Nähe der Schweißpunkte weggeschnitten, sodass nur Blech an den Schweißpunkten stehen bleibt. Dies ermöglicht, dass man die Schweißpunkte besser aufbohren kann und man überall herankommt.

Anschließend bohrt man Schweißpunkt für Schweißpunkt auf. Mit einer Bohrmaschine oder einem Akkuschrauber und dem Punktschweißbohrer. Hierbei sollte man sich Zeit nehmen und behutsam vorgehen, denn wenn man beim Bohren zu viel drückt, hat man schnell beide Bleche durchgebohrt.

Wenn man wirklich mal durchgebohrt hat, ist es nicht ganz so schlimm, nur es sollte nicht zu oft passieren.

Die werksmäßigen Schweißpunkte findet man leichter, wenn man in die Lichtreflexion beim Blech schaut, dort sind viele kleine Vertiefungen im Abstand von ca. 30 mm und im Durchmesser von gut 6 mm zu sehen.

Eine weitere Möglichkeit versteckte Schweißpunkte zu finden ist, mit einem flachen Meißel zwischen beide Bleche zugehen und diese langsam aufzuhebeln. Versteckte Schweißpunkte zeichnen sich so ab und man kann diese folglich mit dem Punktschweißbohrer aufbohren.

2. Schritt: Anpassungsarbeiten

Nachdem der alte Schweller entfernt ist, wird das neue Reparaturblech angepasst. Dazu hält man das Reparaturblech an die Karosserie und schaut, wo das neue Schweller passt oder klemmt. Da es heutzutage kaum noch Original Reparaturbleche gibt, muss man sich mit Reproduktionen zufriedengeben, die leider nicht so gut passen, wie ein Originalteil. 

Stück für Stück wird das neue Schwellerblech angepasst. Als Anfänger kann dieser Schritt schnell zur Frustaufgabe werden, denn es erfordert Zeit und Geduld, bis das Reparaturblech passt.

 

Hier an den Ecken zeigt sich, wie sauber man gearbeitet hat. Man muss sich das so vorstellen, dass es, nachdem Wechseln des Schwellers keinen sichtbaren Unterschied zum werksmäßig verbauten Schweller gibt.

Dieser Schritt entscheidet über das spätere Ergebnis, denn wenn man hier unsauber arbeitet, bekommt man beim Einschweißen Probleme.

Also mit Ruhe und Geduld das neue Blechteil anpassen, denn du möchtest ja noch viele Jahre was von deinem Oldtimer haben und dich nicht darüber ärgern, weil du bei der Reparatur nachlässig warst.

3. Schritt: Schweißarbeiten

Nachdem die alten Schweller entfernt und die neuen Einschweißbleche angepasst wurden, werden im nächsten Schritt die neuen Schweller eingeschweißt.

Für das Einschweißen benötigt man mindestens ein Schutzgasschweißgerät.

Dieses ist besser bekannt als CO₂ Schweißgasschweißgerät. Evtl. kann man sich auch ein Punktschweißgerät ausleihen. Ein Punktschweißgerät bietet den Vorteil, dass Schweißpunkte nach Herstellervorgaben hergestellt werden können und wenig bis gar keine Nacharbeit haben.

Das CO₂ Schutzgasschweißgerät ist die Alternative zum Punktschweißgerät und je nachdem wie gut man schweißen kann, erfordert jeder Schweißpunkt etwas Nacharbeit.

Bevor die neuen Schweller mit der Karosserie verschweißt werden, gilt es, die Schweißflächen mit schweiß fähigem Zinkspray einzusprühen, um Korrosion zwischen den Blechen vorzubeugen.

So ein Punktschweißgerät wird mit der Zeit ganz schön schwer. Hier sieht man mich nach mind. 60 Schweißpunkten. Zusätzlich muss darauf achten, dass beide Bleche dicht aneinander liegen. Sonst drückt der Druck vom Punktschweißgerät mindestens ein Blech durch und es ist nicht richtig verschweißt.

Mit den Gripzangen fixiert man dabei das neue Blech und beginnt mit dem einschweißen. Es ist darauf zu achten, dass die Schweißpunkte im Abstand von max. 30 mm Punkt für Punkt geschweißt werden. Hat man kein Punktschweißgerät zur Hand, muss vorher alle 30 mm ein 6 mm Loch gebohrt werden, welches mit dem Schutzgasschweißgerät und dem inneren Blech verschweißt wird.

Um Spannungen im Material zu vermeiden, empfiehlt es sich, von innen nach außen den Schweller an folgenden Punkten zu beginnen.

Beim Schweißen sollte immer wieder darauf geachtet werden, dass der Schweller sich noch in seiner angepassten Position befindet. Dies kann man mit den Gripzangen leicht steuern, indem man diese Stück für Stück weiter versetzt.

Als Tipp kann ich Dir noch empfehlen, erst im oberen Bereich des Schwellers mit dem Schweißen anzufangen, sprich da, wo später wieder die Türdichtung aufgesteckt wird. So kann man noch kleine Unebenheiten berücksichtigen und ausgleichen.

Abschließend werden die Ecken verschweißt und fertig ist der Schweller wechsel beim Oldtimer. Jetzt müssen nur noch die Schweißnähte verschliffen werden und mit dem Lackaufbau kann begonnen werden.


Viel Spaß beim Wechseln deiner Schweller, solltest du Fragen haben, so kannst du dich gern bei mir melden.


Viele Grüße,

nico

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