Das Trauerkleid – darauf ist zu achten
„Augen auf beim Autokauf“, heißt es doch bekanntlich.
Beim Trauerkleid bin ich mittlerweile zweimal darauf reingefallen. Vor allem bei emotionalen Käufen macht man schnell den Fehler. Einmal den Fehler machen hat nicht gereicht und genau deshalb gibt es diesen Blogbeitrag, damit du weißt, worauf zu achten ist.
Hier mal eine Frage:
Was haben beide Fahrzeuge auf den nächsten Bildern gemeinsam?
Schau sie dir in Ruhe an.
Du kannst es dir sicherlich schon denken.
Beide Fahrzeuge haben im unteren Bereich, einen dunkleren Anstrich, welcher nicht original vorhanden ist. Dieser Bereich befindet sich meist in Höhe der Zierleisten abwärts und nennt sich „Trauerkleid“.
Das Trauerkleid ist eine indirekte Schönheitskorrektur und wird angewandt, damit das Fahrzeug länger als „in Ordnung“ aussieht. Dieses Trauerkleid wird oft mittels Unterbodenschutzmasse aufgetragen.
Unterbodenschutzmasse ist dick und zähflüssig, um Aufblühungen von Rost zu überdecken – sogenannter Pfusch. Damit bleibt das Fahrzeug äußerlich betrachtet noch schön – während darunter weiter der Rost sein Übriges tut.
Das große Erwachen – sichtbarer Pfusch
Fachgerechte Instandsetzung – Fehlanzeige!
Hier mein wichtigster Tipp beim Autokauf.
Sollte das Fahrzeug solch ein Trauerkleid haben – Finger weg vom Fahrzeug.
Hier ein paar Bilder, was sich nach einiger Zeit darunter finden lässt.
Kannst du dich noch an das erste Bild vom VW T3 erinnern, wo er auf dem Trailer stand? Dort sah er von außen ganz gut aus. Nachdem ich innen die Verkleidungen entfernt hatte, kam der große Schreck.
Anschließend wurden die verrosteten Teile großflächig herausgetrennt.
Es geht noch weiter
In 203 Std wurde die Karosserie vom VW T3 instand gesetzt. Zeit und Kosten die bei dem Projekt nicht eingeplant waren. Manch anderer hätte den T3 sicher in die Presse geschickt, doch das brachte ich nicht übers Herz.
Beim Audi 100 C4
Finger Weg von Emotionskäufen!
Hier mein Fehler Nr. 2. Beim Audi 100 C4 ließ ich mich ebenfalls vom Trauerkleid blenden und auch hier gab es mehr zu tun. So waren alle vier Schweller weggegammelt und zusätzlich auch noch die hinteren Längsträger, was man aber nicht sah.
Da gab es eine Menge zu tun, vor allem das Besorgen der Reparaturbleche war eine Herausforderung. Da Audi für diesen Typ keine Reparaturbleche anbietet, mussten diese aus einem gut erhaltenen Spender besorgt werden.
Zu guter Letzt
As ich gerade diesen Blogbeitrag schreibe, fällt mir ein, dass ich nicht zweimal, sondern sogar dreimal auf das Trauerkleid reingefallen bin.
So auch der Schweller bei der Audi Typ 81 Limousine, meiner ersten Restauration, wo der Unterbodenschutz über eine laienhafte Reparatur aufgebracht wurde.
Von der Reparatur war bis zum Entfernen der Unterbodenschutzmasse nichts zu sehen.
Fazit
Gern wird von Unwissenden das Trauerkleid übersehen, so ist es mir auch passiert. Wenn dann noch Emotionen überwiegen, weil das gesuchte Fahrzeug auch noch selten ist, tappt man gern in die Falle der Blendung.
Beim Autokauf sollte man rational vorgehen, sonst endet der Traum schnell im Frustobjekt. Gerade wenn einem die fachlichen Fertigkeiten fehlen, wie zum Beispiel der Karosseriebau, übersteigt solch ein Frustobjekt schnell das geplante Budget und endet als Projektaufgabe.
Daher wie schon anfangs erwähnt: „Augen auf beim Autokauf“. Unter Autoverkäufern gibt es genug „schwarze Schafe“ und von denen sollte man schnellstens Abstand nehmen.
Das Trauerkleid ist eine kostengünstige Verschönerung, um den „Ist-Zustand“ eines Fahrzeuges künstlich in die Höhe zu treiben.
Nimm dir Zeit beim Anschauen und hinterfrage die Historie vom Fahrzeug. Gerade hochpreisige Fahrzeuge werden oft so gut „geschönt“, dass man nur schwer dessen wahren wirklichen Zustand erkennt.
Hier empfiehlt es sich, im Vorfeld nach Schwachstellen des jeweiligen Fahrzeugtyps zu informieren. Bei Oldtimern findet man in Foren Anhaltspunkte, die beim Autokauf genau zu betrachten sind.
Bis dahin, wünsche ich dir alles Gute bei deiner Restauration.
Solltest du Fragen haben, so schreibe mir gern.
Bis bald, sagt Nico
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