Audi 100 C4 – Tagebuch einer Restauration

Audi 100 C4 – Tagebuch einer Restauration:

Vom ersten Schritt bis zur Vollendung

Einen Oldtimer selber zu restaurieren ist ein spannendes Abenteuer, das Geduld und Hingabe erfordert und mit einer Leidenschaft für klassische Autos beginnt. In diesem Blogpost bekommst du die verschiedenen Phasen einer Oldtimer Restauration gezeigt – vom ersten Gedanken bis zur finalen Fahrt.

März 2023

Es war Ende März, der Winter war vorbei und es folgte ein Fazit zum damaligen Winterauto, einem Audi A4 B6. An und für sich ein schönes Fahrzeug, für mich war es aber etwas zu modern, da dort zu viel Elektronik verbaut ist.

Die Entscheidung stand fest: Es musste etwas Älteres besorgt werden.

 

August 2023 – der Winter nahte

Es war mittlerweile August 2023 und der Winter nahte. Online fand ich endlich einen Audi 100 C4 mit 2.5 TDI Fünfzylinder Motor für nur 1500€ mit einem zusätzlichen Getriebe und einem weiteren Motor. Mit dem Zug fuhr ich zum Auto und auf eigener Achse holte ich ihn nach Hause. Anschließend folgte die Bestandsaufnahme.

Bestandsaufnahme – Schlimmer als erwartet

Rost und ein erheblicher Wartungsstau. War was anderes zu erwarten, bei einem 30 jährigem Auto? Eigentlich wollte ich den C4 noch im Winter fahren und die Restauration auf das kommende Frühjahr legen, doch die Bestandsaufnahme zeigte, dass ich so nicht weit kommen werde.

Nach der Bestandsaufnahme war ich dankbar, dass ich überhaupt mit dem Auto daheim ankam. Der Kühler hatte einen Riss. Bis heute habe ich keine Ahnung, wie das bei über 800 km Heimweg funktionierte. Alle vier Schweller Ecken waren durchgerostet, doch das schlimmste entdeckte ich erst, als ich das Fahrzeug von unten begutachtete.

Beide hinteren Längsträger waren durchgerostet und wie auch bei der Audi Typ 81 Limousine waren laienhafte Reparaturen vorzufinden.

Der 3 Wochen Plan

Es war mittlerweile Ende August und Anfang Oktober sollte der Audi fahrtauglich sein, da die Saison-Zulassung für den VW T3 Ende September endete. So erstellte ich einen 3 Wochen Plan, damit noch genug Zeit für Unvorhersehbares war.

In diesen drei Wochen stand Folgendes auf dem Plan:

  1. alle 4 Schweller-Ecken instandsetzen
  2. beide hinteren Längsträger neu herstellen
  3. Komplettlackierung
  4. Technisch TÜV fertig machen

Sportlich dachte ich mir, aber machbar. Zuerst mussten neue Schwellerbleche bzw. Schweller Ecken besorgt werden. Diese fand ich in einer Facebook Gruppe für den C4. Jemand schnitt für mich die vier Schweller Ecken aus einer Spenderkarosserie.

Es konnte los gehen. Mit Flex und Schweißgerät wurden die Schweller Ecken wieder hergestellt. Anschließend wurden die kompletten Schweller mit Brantho Korrux 3 in 1 lackiert.

Die hinteren Längsträger waren als nächstes dran. Diese mussten selbst angefertigt werden, da es weder Reparaturbleche gab noch jemanden, der die Teile aus einem Spender herausgetrennt hätte.

Lackiervorbereitungen

Unter Anleitung eines Lackierers fing ich mit den Lackiervorbereitungen an. Erst die Karosserie, danach Anbauteile und Kleinteile. Rostige Stellen wurden gestrahlt.

Was für eine Arbeit. Jeder, der sich fragt, warum eine Lackierung so viel Geld kostet, darf gern die Vorarbeit selber machen. Wenn man es richtig machen möchte, dann dauert das seine Zeit. Es dauerte ganze zwei Wochen, bis der Audi fertig fürs Lackieren war. 

Das neue Lackkleid

Endlich war es so weit, der Audi konnte lackiert werden. Hier siehst du ein Zeitraffer Video vom Lackieren der Karosserie. Danach wurden weitere Anbauteile und Kleinteile lackiert.

Zusammenbauen

Nachdem die Karosserie und alle Anbauteile lackiert worden sind, ging es mit dem Zusammenbau los. Ebenso bekam der Audi einen neuen Himmel, da es innerhalb der C4 Baureihe zu hängenden Himmelstoff kam und auch dieser C4 nicht davor verschont blieb.

Anschließend ging es auf dem Trailer nach Hause und weiter ging es mit den Achsenteilen. Diese baute ich aus, wurden gestrahlt und neu beschichtet.

Hat es mit dem 3 Wochen Plan geklappt?

Fragst du dich schon, wie man das alles in 3 Wochen schaffen kann? Die Antwort – gar nicht – natürlich haben die Arbeiten länger gedauert. Unerwartetes kam dazu und sprengte meinen Plan bereits ab der ersten Woche. 

Doch ohne diesen Plan wäre ich nicht so motiviert gewesen, den Audi fertig zu bekommen, denn der Winter stand vor der Tür und ich hatte keine Lust, einen weiteren Winter mit dem Fahrrad zu fahren.

Am 10.11.2023 war es soweit: Nach gut 9 Wochen ging es mit dem Audi zum TÜV. Felgen und Fahrwerk wurden gleich mit eingetragen und der Winter konnte kommen.

Einen Winter später

Da Motor und Motorraum bisher unberührt blieben, ging es in der Sommerpause mit dem Motor weiter. Dieser wurde erstmal ausgebaut und bekam eine Revision. Der Zylinderkopf wurde geplant und die Ventile wurden eingeschliffen. Kreuzschliff und Kolbenringe waren noch gut. Die Injektoren wurden ultraschallgereinigt und der Turbo revidiert.

Nach dem Ausbau des Motors zeigten sich an den vorderen Längsträgern Durchrostungen, die erstmal instand gesetzt werden mussten. Danach wurde der Motorraum in Wagenfarbe lackiert.

Auch die Anbauteile wie der Schlossträger wurden neu lackiert. Dann wurde wieder alles zusammengebaut. Vom Ausbau des Motors bis zum ersten Start vergingen knapp 4 Wochen.

Fehler und Kleinigkeiten

Bei einer Komplettrestauration schleichen sich ungewollt Fehler ein, das ist ganz normal. Nach und nach zeigen sich diese und man kann diese beheben. Ebenso gehen Teile kaputt oder sind durch langjährige Nutzung nicht mehr brauchbar. Zierleisten und Clipse mussten besorgt werden, bis das Fahrzeug wieder vollständig ist.

Ein paar Kleinigkeiten gibt es noch zu tun, aber alles zu seiner Zeit. Mittlerweile fahre ich den Audi C4 hauptsächlich als Winterfahrzeug und für Langstrecken. Denn mit seinen 4,8l Verbrauch auf 100km lässt er mit seinen knapp 1,5t Gewicht jeden modernen Neuwagen in dieser Gewichtsklasse hinter sich.

Bei einem Tankinhalt von 80Litern, läuft der Wagen seine 1200km ohne eine Tankstelle aufsuchen zu müssen. Welches heutige Fahrzeug schafft das noch? Und wir sprechen hier von einem 33 jährigem Auto (EZ. 1993).

Fazit

Um einen Oldtimer zu restaurieren, gibt es mehrere Möglichkeiten. Man kann alles auf einmal restaurieren oder in Teilschritten, wie hier beim Audi 100 C4. 

Auch wenn mein zeitlicher Plan bereits ab der ersten Woche platzte, so war ich dennoch schneller fertig, als ohne Plan. und manchmal benötigt man etwas Druck um fertig zu werden. In diesem Fall war es der bevorstehende Winter und die Vorstellung, einen weiteren Winter mit dem Fahrrad fahren zu müssen.

Daher meine Empfehlung, mache dir einen Plan, nur sei auch nachgiebig und verständnisvoll mit dir selbst, wenn der Plan nicht aufgeht. Sonst entsteht Stress und das Ergebnis, sprich die Qualität leidet darunter. 

Bis dahin, wünsche ich dir alles Gute bei deiner Restauration.

Solltest du Fragen haben, so schreibe mir gern.

Bis bald, sagt Nico

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